Solaris; dir. by Andrei Tarkovsky in 1972
In Solaris stößt der faustische Mensch ein letztes Mal in den unendlichen Raum vor und trifft nicht auf eine neue Welt, sondern auf den Spiegel seiner eigenen, bereits ermüdeten Seele. Der Ozean von Solaris gebiert aus Erinnerung und Schuld die Gestalten, die Kelvin nicht mehr loslassen. Eingeschlossen in der Kälte der Raumstation, ist der Protagonist von der Erde abgeschnitten und bleibt doch unlösbar an das gebunden, was er im Herzen trug. Während die Wissenschaftler auf der Station vergeblich nach dem fremden, kosmischen Gegenüber greifen, vollzieht sich die eigentliche Tragödie im Inneren des Menschen: Kelvin und seine Kollegen suchen im All nach Kontakt zu einer fremden Zivilisation, müssen jedoch erkennen, dass sie letztlich nur vor den ungelösten, moralischen Abgründen des eigenen Bewusstseins stehen. Wie Tarkowski es pragmatisch auf den Punkt brachte – "Der Mensch braucht nur den Menschen" –, zeigt die Handlung keinen echten Aufbruch, sondern das Einbrechen des abendländischen Winters im Kosmos. Es ist jenes unumkehrbare Stadium der Zivilisation, in dem jede Tat zur bloßen Verrichtung erstarrt und der Mensch im leeren Raum nur noch die eigene, kalte Versteinerung besichtigt.
― Ralph Moneke
sqq. *