What are you afraid of losing, when nothing in the world actually belongs to you?
— Marcus Aurelius
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Mit "Inferno" scheinen Boards of Canada endgültig die Idee aufzugeben, dem kulturellen Niedergang noch entgegenwirken zu können. Das Album klingt wie ein spenglerisch gefärbter Soundtrack zum schleichenden Zerfall einer Zivilisation, die ihre eigenen Grundlagen bereits signifikant unterminiert hat.
Am deutlichsten wird diese Haltung direkt am Anfang des Albums in "Prophecy at 1420 MHz", das ein zivilisationskritisches Sample des Philosophen Seyyed Hossein Nasr verwendet. Bereits die Frequenz im Titel verweist auf eine kosmische Tiefe: 1420 MHz ist die Radiofrequenz des interstellaren Wasserstoffs, auf der 1977 das berühmte, bis heute unerklärte "Wow!-Signal" als potenzielles Zeichen extraterrestrischer Intelligenz aufgefangen wurde. Das Nasr-Sample wird hier selbst zu einer Art Wow!-Signal: Seine im Sinne der Philosophia perennis formulierte Kritik an der Moderne lässt das Echo einer älteren, metaphysisch fundierten Weltsicht in einer technokratischen Gegenwart verhallen, die Natur und Transzendenz weitgehend ausgeblendet hat. Boards of Canada setzen nicht auf gesellschaftliche Veränderung, sondern auf das, was Jünger in "An der Zeitmauer" als individuelle Erschütterung beschrieben hat: Das schockartige Gewahrwerden der eigenen Endlichkeit an der Schwelle einer untergehenden Zeit.
Die ironische Pointe lieferte die Realität selbst: Ausgerechnet das instrumentale Stück "Deep Time/Track 05" wurde vom US-Weißen Haus unter neoreaktionärer Ägide für nationalistische Propaganda zweckentfremdet. Eine audiovisuelle Meditation über geologische und astronomische Zeitskalen für tagespolitische Zwecke zu instrumentalisieren, wirkt wie eine schonungslose Bestätigung der albumimmanenten Skepsis gegenüber der Gegenwart. Am Ende des Videos verwischen die Bilder flehender Menschen, während das Hexagon-Logo der Band in eine starre, orthogonale Geometrie übergeht. Die Szene lässt sich als Bild dafür lesen, wie selbst spirituelle und künstlerische Gesten vom technokratischen Raster vereinnahmt werden.
Manche Kritiker hören in dem Album eine Art Erleichterung oder sogar Positivität. Das verkennt jedoch die philosophische Schicht: Was hier tröstlich wirkt, ist kein moderner Fortschrittsglaube, sondern jener tragische Optimismus, den Spengler beschrieb – die Haltung derer, die den Niedergang akzeptieren und auf Illusionen verzichten. So wird "Inferno" zu dem, was der Anfang des Albums bereits andeutete: Der Soundtrack einer Zivilisation, die ihren eigenen Zenit längst überschritten hat und deren destruktive Kräfte nun, ohne Hoffnung auf Umkehr, nur noch beobachtet werden können.
— Ralph Moneke
The truth of a thing is in the feel of it, not in the think of it.
— Stanley Kubrick
If everything you offered wasn't enough, offer your absence.
— Mario Benedetti
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Man muss sich von sich selbst nicht alles gefallen lassen.
— Viktor Frankl
The Quiet Earth; inszeniert von Geoff Murphy, 1985
The Quiet Earth offenbart die Gestalt des radikalen Endstadiums der modernen Zivilisation: Der technikgläubige Mensch reißt durch seine Hybris der Natur- und Raumbeherrschung die eigene Welt in den Abgrund. Als isolierter Überlebender bleibt er ein Gefangener der weiterlaufenden Apparate, bis er im finalen Versuch, die Maschine zu stoppen, die abendländische Physik endgültig aus den Angeln hebt. Er stirbt nicht, sondern erwacht als Zeuge des totalen Epochenwechsels am Ufer eines völlig veränderten, neu geborenen Kosmos.
― Ralph Moneke
Wir waren 1970, als wir anfingen, ebenso unwichtig wie heute, nur eben für einen anderen Personenkreis.
— Edgar Froese
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Vierzig verweht; technisches Schicksal Tschernobyl, 1986-2026
Der Herr der Welt wird der Sklave der Maschine. Sie zwingt ihn, sie zwingt uns alle, ohne daß wir es wissen oder wollen, den Lauf der Dinge zu gehen.
― Oswald Spengler
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I don't pay attention to the world ending. It has ended for me many times and began again in the morning.
— Charles Bukowski
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Haus u r 2026
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If something is not good in black, it won't be good in another colour.
― Anton Stankowski
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In seinem Spätwerk Derrick rekontextualisiert und verdichtet Herbert Reinecker Oswald Spenglers kulturmorphologische Diagnose des Untergangs des Abendlandes zu einem massenmedialen Kammerspiel der Spätzivilisation. Er nutzt das Genre des Fernsehkrimis als eine Form der philosophischen Mimikry, um innerhalb der bundesrepublikanischen Spätmoderne eine fundamentale Zivilisationskritik zu artikulieren. Die sterile Weltstadt-Architektur Münchens dient dabei als Kulisse für eine Gesellschaft, die im Sinne Spenglers ihre metaphysische Verwurzelung verloren hat und in einem geistigen Nihilismus erstarrt ist. Die Kriminalfälle werden nicht als soziale Fehlentwicklungen, sondern als symptomatische Belege für das innerliche Erlöschen in einem rein formlosen Zivilisationsstadium inszeniert. Derrick agiert hierbei als der typisch spenglerianische Soldat auf verlorenem Posten, der den morphologischen Verfall nicht aufhalten, sondern nur noch mit der von Ernst Jünger geprägten Haltung des heroischen Realismus diagnostizieren kann.
― Ralph Moneke
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Perfect Days; dir. by Wim Wenders, 2023
The world is made up of many worlds,
some are connected, and some are not.
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Fünfzig verweht.
Ich kann nicht mehr anders. Nicht mehr raus aus meiner Bahn. Zu wenig Fliehkraft? Einmal auf der Bahn, dreht man seine Runden ohne eigenen Antrieb. Aber man kann sie nicht mehr verlassen.
— Kaskade rückwärts; inszeniert von Iris Gusner, 1984
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Familienausflug.
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Jedes unserer Rendezvous, nicht viele, feierten wir wie eine Epiphanie, allein auf der ganzen Welt.
— Arseny Tarkovsky
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Kurzum, alle Prämissen eines fatalen ›Untergangs‹ sind gegeben. So unrecht hatte Oswald Spengler wohl nicht.
— Peter Scholl-Latour
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