In seinem Spätwerk Derrick rekontextualisiert und verdichtet Herbert Reinecker Oswald Spenglers kulturmorphologische Diagnose des Untergangs des Abendlandes zu einem massenmedialen Kammerspiel der Spätzivilisation. Er nutzt das Genre des Fernsehkrimis als eine Form der philosophischen Mimikry, um innerhalb der bundesrepublikanischen Spätmoderne eine fundamentale Zivilisationskritik zu artikulieren. Die sterile Weltstadt-Architektur Münchens dient dabei als Kulisse für eine Gesellschaft, die im Sinne Spenglers ihre metaphysische Verwurzelung verloren hat und in einem geistigen Nihilismus erstarrt ist. Die Kriminalfälle werden nicht als soziale Fehlentwicklungen, sondern als symptomatische Belege für das innerliche Erlöschen in einem rein formlosen Zivilisationsstadium inszeniert. Derrick agiert hierbei als der typisch spenglerianische Soldat auf verlorenem Posten, der den morphologischen Verfall nicht aufhalten, sondern nur noch mit der von Ernst Jünger geprägten Haltung des heroischen Realismus diagnostizieren kann.
― Ralph Moneke
sqq. *